Das Wichtigste in Kürze
- Wärmepumpen erzeugen Warmwasser oft im kritischen Temperaturbereich für Legionellenwachstum. Diese Punkte zeigen, wie sich das Risiko technisch und wirtschaftlich beherrschen lässt:
- Legionella pneumophila wächst am schnellsten bei 32–35 °C — ein Bereich, den Wärmepumpen-Warmwasserspeicher ohne Schutzmaßnahmen regelmäßig durchlaufen.
- Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 verlangt bei Speicher- und Leitungsvolumen über 3 Litern eine Speicheraustrittstemperatur von mindestens 60 °C oder eine gleichwertige thermische Desinfektion.
- Die Legionellenschaltung hebt den Speicher automatisch einmal wöchentlich auf 70 °C an — bei dieser Temperatur erfolgt die Abtötung laut DVGW deutlich schneller als bei 60 °C.
- Eine wöchentliche thermische Desinfektion kostet über 20 Jahre nur einen Bruchteil dessen, was ein dauerhafter Betrieb bei 60–70 °C an zusätzlichem Stromverbrauch verursacht.
- Stagnierendes Wasser in selten genutzten Speichern ist laut Umweltbundesamt ein eigenständiger Risikofaktor — unabhängig von der eingestellten Temperatur.
Was sind Legionellen und warum sind sie bei Wärmepumpen relevant?
Warum ist der Betriebstemperaturbereich von Wärmepumpen (32–35°C) ein Risikofenster für Legionellenwachstum?
Ab welcher Temperatur sterben Legionellen ab?
Temperatur | Wirkung auf Legionellen | Einordnung |
< 20 °C | Kein nennenswertes Wachstum | Sicher (Kaltwasserbereich) |
32–35 °C | Optimales Wachstum | Höchstes Risiko |
55 °C | Wachstumsstopp, keine sichere Abtötung | Grenzbereich |
60 °C | DVGW-Mindestwert für Speicheraustritt | Sicher laut W 551 |
70 °C | Schnelle Abtötung, Standard für Desinfektionszyklen | Empfohlen für Legionellenschaltung |
Was schreibt das DVGW-Arbeitsblatt W 551 für Wärmepumpen-Speicher vor?
Was ist eine Legionellenschaltung und wie funktioniert die thermische Desinfektion technisch?
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- Zeitplan-Trigger: Eine programmierte Uhrzeit, meist nachts, startet den Desinfektionszyklus automatisch.
- Temperaturanhebung: Reicht die Leistung der Wärmepumpe nicht aus, um die Zieltemperatur zu erreichen, kann laut Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages ein elektrischer Zusatzheizer (Heizstab) oder Durchlauferhitzer als ergänzende Maßnahme zur Temperaturanhebung genutzt werden.
- Haltezeit: Der Speicher verbleibt für einige Minuten auf der Zieltemperatur, damit auch Randbereiche des Speichers ausreichend erwärmt werden.
- Verbrühungsschutz: Ein thermostatisches Mischventil senkt die Temperatur am Zapfhahn wieder auf ein alltagstaugliches Niveau, bevor Nutzer Warmwasser entnehmen können.
- Rückkehr in den Normalbetrieb: Nach Abschluss des Zyklus fällt die Speichertemperatur wieder auf das effiziente Betriebsniveau zurück.
Wie wirkt sich die Legionellenschaltung auf COP, JAZ und Stromkosten aus?
Welche Hersteller bieten welche Legionellenschaltungs-Funktionen?
Hersteller | Legionellenschaltung ab Werk | Heizstab integriert |
Ja, Standard | Ja, in allen Modellen | |
Ja, Standard | Ja, Standard | |
Vaillant | Ja | Ja |
Bosch | Ja | Teilweise nur gegen Aufpreis |
NIBE | Ja | Teilweise optional |
Wolf | Ja | Ja |
Wie oft sollte die Legionellenschaltung laufen?
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Ist Stagnation oder Temperatur der größere Risikofaktor für Legionellenwachstum?
Wie werden Legionellen übertragen und wer ist besonders gefährdet?
- Duschen: Der Duschkopf erzeugt durch hohen Druck feine Aerosole und gilt als eine der Hauptquellen im privaten Umfeld.
- Whirlpools und Sprudelbäder: Die starke Lufteinwirbelung begünstigt eine besonders intensive Aerosolbildung.
- Luftbefeuchter und Verdunstungskühlsysteme: Bei Befüllung mit kontaminiertem Wasser können auch diese Geräte Aerosole freisetzen.
Wie lässt sich das Legionellenrisiko ohne hohen Energieverlust minimieren?
- Speichertemperatur auf mindestens 60 °C halten: Entspricht der aktuellen DVGW-Empfehlung (Entwurf W 551-1, Mai 2026) und macht eine periodische 70-°C-Legionellenschaltung überflüssig.
- Thermostatisches Mischventil einbauen: Begrenzt die Temperatur an der Entnahmestelle und verhindert Verbrühungen während der Desinfektionsphase.
- Regelmäßige Nutzung sicherstellen: Wöchentliche Entnahme reduziert Stagnation, insbesondere in selten bewohnten Gebäuden.
- Trinkwasser- und Heizungskreis trennen: Ein separater Pufferspeicher für das Heizungswasser verhindert, dass die Legionellenproblematik überhaupt im Heizkreis relevant wird.
- Wartung einhalten: Eine regelmäßige Wartung stellt sicher, dass Temperaturfühler und Heizstab der Legionellenschaltung zuverlässig funktionieren.
FAQ
Häufige Fragen
Bei welcher Temperatur sterben Legionellen ab?
Legionellen sterben laut DVGW-Arbeitsblatt W 551 bei einer Speicheraustrittstemperatur von mindestens **60 °C** zuverlässig ab; bei **70 °C** erfolgt die Abtötung deutlich schneller, weshalb dieser Wert für periodische Desinfektionszyklen empfohlen wird.
Wie oft muss die Legionellenschaltung laufen?
Nach der älteren DVGW-Praxis (W 551, 2004) galt eine **wöchentliche** thermische Desinfektion auf 70 °C als Standardintervall. Der aktuelle DVGW-Entwurf W 551-1 (Mai 2026) rät davon ab und empfiehlt stattdessen eine dauerhafte Speichertemperatur von mindestens 60 °C statt periodischer Hochtemperatur-Zyklen.
Wie viel Strom kostet die Legionellenschaltung im Jahr?
Bei wöchentlicher Desinfektion mit einem angenommenen Zusatzverbrauch von rund 3 kWh je Zyklus ergeben sich überschlägig **156 kWh Mehrverbrauch pro Jahr**, was bei einem Strompreis von rund 0,30 €/kWh etwa **47 € pro Jahr** entspricht. Diese Werte sind eine vereinfachte Modellrechnung zur Größenordnung.
Ist eine Wärmepumpe mit Legionellen-Risiko gefährlich für gesunde Menschen?
Für gesunde Menschen ist das Risiko einer schweren Erkrankung nach RKI-Angaben deutlich geringer als für Risikogruppen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, immunsupprimierte Personen sowie Raucher und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen.
Muss ich die Legionellenschaltung manuell einschalten?
Bei den meisten modernen Wärmepumpen-Warmwasserspeichern namhafter Hersteller ist die Legionellenschaltung werksseitig aktiviert und läuft automatisch nach einem programmierten Zeitplan. Nutzer sollten die Einstellung bei Inbetriebnahme jedoch prüfen und bei Bedarf über Display oder App anpassen.
Quellen
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