Das Wichtigste in Kürze
- Die Entzugsleistung bestimmt, wie tief eine Erdwärmesonde gebohrt werden muss und damit die Investitionskosten der gesamten Anlage.
- Definition: Entzugsleistung ist die Wärmeleistung in Watt pro Meter Sondenlänge (W/m), die einer Erdwärmesonde dauerhaft entzogen werden kann.
- Tabellenwerte: Nach VDI 4640 reichen die Werte von etwa 20–25 W/m bei trockenem Sand bis 84–100 W/m bei Granit/Gneis, jeweils bezogen auf 1.800 Betriebsstunden pro Jahr.
- Grenze für Tabellenwerte: Bei Einzelanlagen bis 30 kW Leistung dürfen die Tabellenwerte aus VDI 4640 Blatt 2 direkt verwendet werden, sofern definierte Randbedingungen erfüllt sind.
- Thermal Response Test: Ein TRT misst die reale Wärmeleitfähigkeit vor Ort über einen Zeitraum von meist 72 Stunden.
- Förderrelevanz: Für die KfW-Heizungsförderung 2026 ist die Bohrtiefe selbst kein Förderkriterium — entscheidend ist die nachgewiesene Jahresarbeitszahl, zu der die Entzugsleistung indirekt beiträgt.
Was ist die Entzugsleistung einer Erdwärmesonde und wie wird sie gemessen?
Maßeinheiten: Entzugsleistung vs. Entzugsarbeit vs. spezifische Entzugsleistung
Begriff | Einheit | Bedeutung |
Entzugsleistung | Watt (W) | Momentane Gesamtleistung, die einer Sonde entzogen wird |
Spezifische Entzugsleistung | W/m | Entzugsleistung bezogen auf einen Meter Sondenlänge |
Entzugsarbeit | kWh/(m·Jahr) | Über ein Jahr entzogene Wärmemenge pro Meter Sondenlänge |
Warum ist die Entzugsleistung für COP und Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe entscheidend?
Was regelt VDI 4640 zur Dimensionierung von Erdwärmesonden?
Welche Blätter der VDI 4640 sind für Planer relevant?
Blatt | Inhalt | Relevanz für die Sondendimensionierung |
Blatt 1 | Grundlagen, Genehmigungen, rechtlicher Rahmen | Basiswissen, insbesondere zur Genehmigungspflicht |
Blatt 2 | Erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen | Kernstück — enthält die Entzugsleistungs-Tabellen |
Blatt 3 | Unterirdische thermische Energiespeicher | Für Speicheranwendungen, nicht für reine Heizsonden |
Blatt 4 | Direkte Nutzungen | Geothermie ohne Wärmepumpe |
Blatt 5 | Thermal Response Test | Messmethodik zur Bestimmung der realen Standortwerte |
Welche Entzugsleistung gilt nach VDI 4640 für welchen Bodentyp?
Wärmepumpen-Check
Gilt das auch für Ihr Haus?
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Bodentyp | Spezifische Entzugsleistung (Richtwert) |
Sand/Kies, trocken | ca. 20–25 W/m |
Ton/Schluff, feucht | ca. 35–50 W/m |
Sandstein | ca. 60–80 W/m |
Kalkstein/Dolomit | ca. 65–85 W/m |
Granit/Gneis | ca. 84–100 W/m |
Mit Grundwasserfluss | zusätzlicher Bonus gegenüber dem Trockenwert |
Wie wirkt sich Wassersättigung auf die Entzugsleistung aus?
Wie hängen Wärmeleitfähigkeit λ und Entzugsleistung zusammen?
Material | Wärmeleitfähigkeit (Einordnung) | Eignung für Erdsonden |
Luft | sehr niedrig | ungeeignet (Isolator) |
Trockener Sand | niedrig | ungünstig |
Wasser | mittel | deutlich besser als Luft |
Wassergesättigter Sand | deutlich höher als trocken | gut |
Granit | hoch | sehr gut |
Wie berechne ich die erforderliche Sondenlänge für mein Projekt?
Grundwasserfluss und Bohrtiefe: Welche Faktoren beeinflussen die Entzugsleistung am stärksten?
Wärmepumpen-Check
Wie sieht die Rechnung für Ihr Haus aus?
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- Grundwasserfluss: Strömendes Grundwasser transportiert kontinuierlich Wärme nach und kann die Entzugsleistung gegenüber reiner Wärmeleitung deutlich erhöhen.
- Wassersättigung: Wassergesättigte Böden leiten Wärme erheblich besser als trockene Böden desselben Materials.
- Bohrtiefe: Tiefere Sonden liegen in Schichten mit stabilerer, ganzjährig gleichmäßigerer Temperatur, was die Betriebssicherheit erhöht, auch wenn sich die spezifische Entzugsleistung selbst dadurch nicht automatisch ändert.
Was ist ein Thermal Response Test und wann ist er notwendig?
Ist eine Erdwärmesonde genehmigungspflichtig?
Welche Rolle spielt die Entzugsleistung für die Förderfähigkeit nach BAFA/KfW?
Wie dimensioniere ich Erdsonden für die Praxis: drei Beispiele nach Geologie
Geologie-Szenario | Spez. Entzugsleistung | Erforderliche Sondenlänge (rechnerisch) |
Trockener Sand, kein Grundwasser | ca. 20 W/m | ca. 500 m — praktisch meist unwirtschaftlich |
Wassergesättigter Sand/Sandstein (Standardfall) | ca. 55–60 W/m | ca. 167–182 m |
Granit mit Grundwasserfluss | ca. 90–100 W/m | ca. 100–111 m |
FAQ
Häufige Fragen
Ist eine Erdwärmesonde genehmigungspflichtig?
Ja. Die Errichtung einer Erdwärmesonde unterliegt in Deutschland der wasserrechtlichen Genehmigungspflicht; zuständig ist die untere Wasserbehörde am Standort des Vorhabens.
Wann ist ein Thermal Response Test Pflicht?
Ein Thermal Response Test wird insbesondere bei größeren Anlagen und bei unsicherer geologischer Datenlage empfohlen, da bei Einzelanlagen bis 30 kW unter definierten Randbedingungen die VDI-4640-Tabellenwerte direkt verwendet werden dürfen. Der Test läuft über einen Zeitraum von meist 72 Stunden an einer eigens gebohrten Testsonde.
Was kostet ein Thermal Response Test?
Die konkreten Kosten eines Thermal Response Tests hängen stark von Bohrtiefe, Standort und Anbieter ab und lassen sich ohne projektspezifisches Angebot nicht seriös pauschalisieren.
Welche Entzugsleistung hat Granit nach VDI 4640?
Granit und Gneis erreichen nach VDI 4640 die höchsten Tabellenwerte unter den üblichen Bodentypen, mit spezifischen Entzugsleistungen im Bereich von etwa 84 bis 100 W/m bei 1.800 Betriebsstunden pro Jahr.
Hat die Bohrtiefe Einfluss auf die BAFA-Förderung?
Nein. Die Bohrtiefe hat keinen direkten Einfluss auf die BAFA-Förderung; maßgeblich für die Förderfähigkeit ist der Nachweis einer ausreichenden Jahresarbeitszahl der Gesamtanlage.
Quellen
Wärmepumpen-Check
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