Das Wichtigste in Kürze
- Die Erdwärme-Tiefenbohrung ist die effizienteste, aber auch teuerste Erdwärme-Erschließung für Wärmepumpen.
- Die Bohrkosten variieren stark je nach regionaler Bodenbeschaffenheit und Bohrunternehmen.
- Ab 100 Meter Bohrtiefe wird zusätzlich eine bergrechtliche Genehmigung nach Bundesberggesetz erforderlich.
- Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung gilt als effizienteste Erdwärme-Variante mit ganzjährig konstanter Quellentemperatur.
- Ab 21.07.2026 gilt für die KfW-Heizungsförderung eine Grundförderung von 30 %, ergänzt um einen neu gestaffelten Einkommensbonus.
- Bei Grundstücken unter 500 Quadratmetern ist die Tiefenbohrung oft die einzige Erdwärme-Option gegenüber dem platzintensiven Flächenkollektor.
Was ist eine Erdwärme-Tiefenbohrung und wie funktioniert sie?
Welche Sondentypen gibt es: Doppel-U-Sonde oder Koaxial-Sonde?
Merkmal | Doppel-U-Sonde | Koaxialsonde |
Aufbau | 4 Rohre (2× Vor-, 2× Rücklauf) | Rohr-in-Rohr-System |
Material | PE100-Polyethylen | PE100-Polyethylen |
Marktanteil in Deutschland | ca. 80–85 % | ca. 15–20 % |
Typische Entzugsleistung | 40–60 W/m | 50–70 W/m |
Installationskomplexität | Einfacher | Höher (sperriger Durchmesser) |
Typischer Einsatzfall | Standard-Einfamilienhaus | Beengte Grundstücke, hohe Leistungsanforderung |
Wie tief muss für eine Wärmepumpe gebohrt werden?
Wie viele Bohrungen braucht ein Einfamilienhaus?
Was kostet eine Erdwärme-Tiefenbohrung pro Meter?
Kostenposition | Einordnung |
Bohrung in Lockerboden (Sand, Kies) | unteres Preissegment |
Bohrung in mittlerem Boden | mittleres Preissegment |
Bohrung in Hartgestein (Granit, Basalt) | oberes Preissegment |
Verpressmaterial (Bentonit-Zement-Suspension) | zusätzliche Position pro Bohrung |
Was kostet eine Erdwärmepumpe komplett mit Bohrung?
Komponente | Kostenanteil |
Bohr-Erschließung (2 Bohrungen) | größter Einzelposten |
Sole-Wasser-Wärmepumpe inkl. Installation | zweitgrößter Posten |
Pufferspeicher, Hydraulik, Inbetriebnahme | restliche Positionen |
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Welche Förderung gibt es ab 21.07.2026 für eine Erdwärme-Wärmepumpe?
Welche Genehmigung ist für eine Erdwärmebohrung nötig?
Bohrtiefe | Zuständige Behörde | Rechtsgrundlage |
Bis 100 m | Untere Wasserbehörde | Wasserhaushaltsgesetz (WHG) |
Über 100 m und/oder über 0,2 MW thermischer Leistung | zusätzlich Landesbergamt/Bergbehörde | Bundesberggesetz |
Welchen Abstand muss eine Erdwärmebohrung zur Grundstücksgrenze einhalten?
- Mindestabstand zwischen benachbarten Erdsonden: 6 Meter (laut Bayerischem Landesamt für Umwelt gemäß VDI-4640-Empfehlung).
- Abstand zur Grundstücksgrenze: regional unterschiedlich gehandhabt, häufig im Bereich mehrerer Meter.
- Abstand zu bestehenden Gebäuden: geringer als der Sondenabstand, um Fundamente vor thermischen Einflüssen zu schützen.
- Abstand zu Versorgungsleitungen: vor Bohrbeginn durch eine Leitungsauskunft zu klären.
Ist eine Tiefenbohrung im Wasserschutzgebiet erlaubt?
- Zone I (Fassungsbereich): Erdwärmebohrungen sind hier ausgeschlossen.
- Zone II (engere Schutzzone): Genehmigungen werden hier ganz überwiegend abgelehnt.
- Zone III (weitere Schutzzone): Bohrungen sind unter behördlichen Auflagen genehmigungsfähig.
Wie hoch ist die JAZ einer Erdsonden-Wärmepumpe?
Wärmequelle | Effizienz-Einordnung |
Luft-Wasser-Wärmepumpe | niedrigerer Bereich, saisonal schwankend |
Erdwärme-Tiefenbohrung | höherer Bereich, ganzjährig stabil |
Grundwasserwärmepumpe | tendenziell höchster Bereich |
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Wie lange dauert eine Erdwärmebohrung inklusive Genehmigung?
- Planung und Genehmigung: Bedarfsermittlung, Bodengutachten und Antrag bei der Unteren Wasserbehörde; die behördliche Bearbeitung dauert bei Bohrungen unter 100 Metern typischerweise mehrere Wochen.
- Baustellenvorbereitung: Vermessung der Bohrpunkte und Klärung der Leitungslage.
- Bohrung: Durchführung je Bohrloch über mehrere Tage, abhängig von Bodenhärte.
- Einbau der Erdsonde: Einführen der vorgefertigten Sonde in das offene Bohrloch.
- Druckprüfung: Dichtheitsprüfung der Sonde mit Protokollierung als Voraussetzung für Gewährleistung und Förderung.
- Verpressung: Verfüllen des Ringraums mit Bentonit-Zement-Suspension und anschließende Aushärtung.
- Anschluss und Inbetriebnahme: Verlegen der Anschlussleitungen, Befüllen mit Sole, Entlüftung, hydraulischer Abgleich und finale Abnahme.
Welche Risiken hat eine Erdwärme-Tiefenbohrung?
- Bohrungsabweichung: Harte Gesteinsschichten können den Bohrer von der geplanten vertikalen Linie ablenken und die Entzugsleistung mindern.
- Artesisches Grundwasser: Während der Bohrung kann eine unter Druck stehende Grundwasserschicht angetroffen werden, die unkontrolliert aufsteigt.
- Sole-Leckage: Eine undichte Stelle in der Erdsonde führt zu schleichendem Druckverlust und sinkender Leistung.
- Erdreich-Verdichtung: Bohr-Vibrationen können die Wärmeleitfähigkeit des umgebenden Erdreichs dauerhaft verringern.
- Beeinflussung von Nachbargrundstücken: Die thermische Veränderung des Grundwassers kann benachbarte Brunnen oder Erdsonden beeinträchtigen.
Tiefenbohrung oder Flächenkollektor: Was ist besser?
Kriterium | Erdwärme-Tiefenbohrung | Flächenkollektor |
Platzbedarf | gering, für kleine Grundstücke geeignet | groß, deutlich mehr Fläche als die beheizte Wohnfläche nötig |
Verlegetiefe | 50–100 m | unterhalb der örtlichen Frostgrenze |
Genehmigungsaufwand | wasserrechtliche Erlaubnis zwingend | in vielen Bundesländern nur Anzeige |
Temperaturstabilität | ganzjährig konstant | saisonal schwankend |
Effizienz | tendenziell höher | tendenziell etwas niedriger, saisonal schwankend |
DIY-Eigenleistung | praktisch nicht möglich | Erdarbeiten teilweise in Eigenleistung möglich |
Tiefenbohrung oder Grundwasserwärmepumpe: Was ist effizienter?
Kriterium | Erdwärme-Tiefenbohrung | Grundwasserwärmepumpe |
Voraussetzungen | Platz für Bohrung, Genehmigung | Grundwasserspiegel, ausreichender Durchfluss, geeignete Wasserqualität |
Realisierbarkeit auf Grundstücken | auf der Mehrheit der Grundstücke möglich | nur bei erfüllten hydrogeologischen Bedingungen |
Effizienz | hoch, ganzjährig stabil | tendenziell höher als Tiefenbohrung |
Langzeitrisiko | Erdsonde praktisch verschleißfrei | Brunnen können durch Eisen-/Mangan-Ablagerungen versanden |
Wann lohnt sich eine Erdwärme-Tiefenbohrung?
- Empfehlenswert: kleines bis mittleres Grundstück mit wenig verfügbarer Freifläche, ausreichendes Budget für die höhere Investition, langfristige Nutzung über viele Jahre, kein Wasserschutzgebiet der Zonen I oder II, verfügbarer zertifizierter Bohrbetrieb in der Region.
- Nicht empfehlenswert: großes, ländliches Grundstück mit reichlich Freifläche (Flächenkollektor meist günstiger), stark limitiertes Budget, Lage in Wasserschutzgebiet Zone I oder II, sehr harter Fels-Untergrund mit steigenden Bohrkosten, geplante kurzfristige Nutzung unter zehn Jahren.
FAQ
Häufige Fragen
Was kostet eine Erdwärme-Tiefenbohrung pro Meter?
Die Bohrkosten hängen stark von der regionalen Bodenbeschaffenheit ab: In Lockergestein liegen sie im unteren, in hartem Fels im oberen Preissegment. Ein konkretes Angebot vor Ort liefert die verlässlichste Grundlage, da Marktpreise regional stark schwanken.
Ab welcher Tiefe ist eine Bergamt-Genehmigung erforderlich?
Ab einer Bohrtiefe von **über 100 Metern** oder einer thermischen Leistung der Anlage von über 0,2 Megawatt ist zusätzlich zur wasserrechtlichen Erlaubnis eine Genehmigung der zuständigen Bergbehörde erforderlich.
Wie viele Bohrungen braucht ein Einfamilienhaus?
In der Regel sind **ein bis drei Bohrungen** notwendig, abhängig von der Heizlast des Gebäudes und der Entzugsleistung des Bodens am Standort. Zwei Bohrungen sind der häufigste Fall.
Ist eine Tiefenbohrung im Wasserschutzgebiet erlaubt?
In **Zone I** ist sie ausgeschlossen, in **Zone II** wird eine Genehmigung ganz überwiegend abgelehnt. In **Zone III** ist eine Bohrung unter behördlichen Auflagen genehmigungsfähig.
Wie hoch ist die JAZ einer Erdsonden-Wärmepumpe?
Eine Erdsonden-Wärmepumpe erreicht im Realbetrieb eine vergleichsweise hohe Jahresarbeitszahl — deutlich stabiler über das Jahr als bei luftbasierten Systemen, da die Quellentemperatur ganzjährig konstant bleibt.
Quellen
- Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) — Merkblatt Nr. 3.7/2, Planung und Erstellung von Erdwärmesonden
- Energie-Atlas Bayern — Oberflächennahe Geothermie: Planung und Genehmigung
- Umweltbundesamt — Umgebungswärme und Wärmepumpen
- Umweltbundesamt — Geothermie
- KfW — Anpassungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude 2026
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