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Ratgeber · Wärmepumpe

Erdwärme-Tiefenbohrung: Kosten und Genehmigung 2026

Was eine Erdwärme-Tiefenbohrung kostet, wann eine Bergamt-Genehmigung nötig wird und wie sich die KfW-Förderung ab 21.07.2026 auf den Eigenanteil auswirkt.

Von wärmepumpen-preise.de Redaktion · Unabhängige Wärmepumpen-Beratung10 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Erdwärme-Tiefenbohrung ist die effizienteste, aber auch teuerste Erdwärme-Erschließung für Wärmepumpen.
  • Die Bohrkosten variieren stark je nach regionaler Bodenbeschaffenheit und Bohrunternehmen.
  • Ab 100 Meter Bohrtiefe wird zusätzlich eine bergrechtliche Genehmigung nach Bundesberggesetz erforderlich.
  • Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Tiefenbohrung gilt als effizienteste Erdwärme-Variante mit ganzjährig konstanter Quellentemperatur.
  • Ab 21.07.2026 gilt für die KfW-Heizungsförderung eine Grundförderung von 30 %, ergänzt um einen neu gestaffelten Einkommensbonus.
  • Bei Grundstücken unter 500 Quadratmetern ist die Tiefenbohrung oft die einzige Erdwärme-Option gegenüber dem platzintensiven Flächenkollektor.
Stand: 15.07.2026

Was ist eine Erdwärme-Tiefenbohrung und wie funktioniert sie?

Eine Erdwärme-Tiefenbohrung ist ein senkrechtes Bohrloch, in das eine Erdsonde eingelassen wird, um die konstante Erdreich-Temperatur als Wärmequelle für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe zu nutzen. Sie reicht typischerweise 50 bis 100 Meter in die Tiefe. Ab etwa 10 Metern Tiefe ist das Erdreich von saisonalen Schwankungen praktisch unabhängig.
Durch die Sonde zirkuliert eine Sole — ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, das als Wärmeträgerflüssigkeit dient. Die Sole nimmt im Bohrloch thermische Energie aus dem Erdreich auf und transportiert sie zur Wärmepumpe im Gebäude. Dort überträgt ein Verdampfer diese Energie auf das Kältemittel, das ein Verdichter anschließend auf Heiztemperatur komprimiert.
Der Ringraum zwischen Sonde und Bohrlochwand wird mit einer Bentonit-Zement-Suspension verpresst, die die Wärmeübertragung verbessert und unterschiedliche Grundwasserschichten gegeneinander abdichtet. Im Unterschied zu einem Flächenkollektor, der laut Bayerischem Landesamt für Umwelt unterhalb der örtlichen Frostgrenze verlegt wird, oder einer Grundwasserwärmepumpe, die einen Förder- und Schluckbrunnen benötigt, erschließt die Tiefenbohrung eine über das ganze Jahr stabile Temperaturzone.

Welche Sondentypen gibt es: Doppel-U-Sonde oder Koaxial-Sonde?

Bei Tiefenbohrungen kommen zwei Sondentypen zum Einsatz: die Doppel-U-Sonde als Marktstandard und die Koaxialsonde als leistungsstärkere Alternative für beengte Grundstücke. Die Doppel-U-Sonde besteht aus vier parallelen Rohren aus PE100-Polyethylen, die als Vor- und Rücklauf dienen. Die Koaxialsonde nutzt ein Rohr-in-Rohr-System mit größerer Kontaktfläche zum Erdreich und dadurch höherer Entzugsleistung pro Meter.

Merkmal

Doppel-U-Sonde

Koaxialsonde

Aufbau

4 Rohre (2× Vor-, 2× Rücklauf)

Rohr-in-Rohr-System

Material

PE100-Polyethylen

PE100-Polyethylen

Marktanteil in Deutschland

ca. 80–85 %

ca. 15–20 %

Typische Entzugsleistung

40–60 W/m

50–70 W/m

Installationskomplexität

Einfacher

Höher (sperriger Durchmesser)

Typischer Einsatzfall

Standard-Einfamilienhaus

Beengte Grundstücke, hohe Leistungsanforderung

Die Doppel-U-Sonde dominiert den Markt aufgrund niedrigerer Materialkosten und einfacherer Montage. Die Koaxialsonde wird vor allem gewählt, wenn wegen begrenzter Grundstücksfläche weniger Bohrmeter zur Verfügung stehen und pro Meter mehr Leistung erschlossen werden muss.

Wie tief muss für eine Wärmepumpe gebohrt werden?

Die übliche Bohrtiefe für Erdwärmesonden liegt bei 50 bis 100 Metern, weil dort konstante, für Wärmepumpen optimale Temperaturen erreicht werden, ohne die Genehmigungsschwelle für bergrechtliche Verfahren zu überschreiten. Laut Umweltbundesamt gilt die Nutzung der Erdwärme bis 400 Meter Tiefe allgemein als oberflächennahe Geothermie. In der Praxis bleiben Einfamilienhaus-Bohrungen jedoch deutlich flacher. Die dimensionierende Größe ist die Entzugsleistung — die Wärmeleistung, die je Meter Sondenlänge kontinuierlich aus dem Boden entnommen werden kann; sie richtet sich nach VDI 4640 als technischem Regelwerk für Erdwärmesonden und variiert je nach Bodenart. Bohrungen über 100 Meter erschließen zwar geringfügig höhere Temperaturen, ziehen aber ein zusätzliches Genehmigungsverfahren nach sich und werden deshalb bei Einfamilienhäusern selten realisiert.

Wie viele Bohrungen braucht ein Einfamilienhaus?

Ein Einfamilienhaus benötigt üblicherweise ein bis drei Bohrungen, abhängig von der Heizlast des Gebäudes und der Entzugsleistung des Bodens am Standort. Die Dimensionierung erfolgt in zwei Rechenschritten nach VDI 4640.
Formel Kälteleistung: Kälteleistung (kW) = Heizleistung (kW) × (JAZ − 1) ÷ JAZ
Formel Bohrmeter: Erforderliche Bohrmeter = Kälteleistung (W) ÷ Entzugsleistung des Bodens (W/m)
Beispiel: Eine 10-kW-Wärmepumpe mit angenommener JAZ von 4,0 benötigt eine Kälteleistung von 10 × (4 − 1) ÷ 4 = 7,5 kW aus dem Erdreich. Bei einem Standard-Schluffboden mit angenommener Entzugsleistung ergeben sich daraus die notwendigen Gesamt-Bohrmeter, die üblicherweise auf zwei Bohrungen von jeweils rund 80 bis 100 Metern aufgeteilt werden, um unterhalb der 100-Meter-Genehmigungsschwelle zu bleiben. Zwischen mehreren Bohrungen ist laut Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) gemäß VDI-4640-Empfehlung ein Mindestabstand von 6 Metern einzuhalten, um eine thermische Überlappung der Entnahmezonen zu vermeiden.

Was kostet eine Erdwärme-Tiefenbohrung pro Meter?

Der Bohrmeterpreis einer Erdwärme-Tiefenbohrung hängt stark von der regionalen Bodenbeschaffenheit ab. In Lockergestein wie Sand oder Kies liegt der Preis am unteren Ende der Marktspanne, in hartem Fels wie Granit oder Basalt deutlich darüber, da der Bohrfortschritt langsamer ist und mehr Verschleiß an der Bohrausrüstung entsteht.

Kostenposition

Einordnung

Bohrung in Lockerboden (Sand, Kies)

unteres Preissegment

Bohrung in mittlerem Boden

mittleres Preissegment

Bohrung in Hartgestein (Granit, Basalt)

oberes Preissegment

Verpressmaterial (Bentonit-Zement-Suspension)

zusätzliche Position pro Bohrung

Die Bentonit-Zement-Suspension zur Verpressung des Bohrlochs ist im Gesamtpreis meist enthalten und stellt sicher, dass der Ringraum zwischen Sonde und Bohrlochwand vollständig verfüllt wird. Zu den reinen Bohrkosten kommen Positionen wie Baustelleneinrichtung, Sondenmaterial und Anschlussleitungen zum Gebäude hinzu. Ein konkretes Angebot mehrerer zertifizierter Bohrunternehmen vor Ort liefert die verlässlichste Kostenbasis, da die Marktpreise regional stark schwanken.

Was kostet eine Erdwärmepumpe komplett mit Bohrung?

Ein komplettes Erdwärme-System mit Sole-Wasser-Wärmepumpe, Bohrung und Installation kostet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mehrere Zehntausend Euro vor Förderung, wobei die Bohrkosten den größten Einzelposten darstellen.

Komponente

Kostenanteil

Bohr-Erschließung (2 Bohrungen)

größter Einzelposten

Sole-Wasser-Wärmepumpe inkl. Installation

zweitgrößter Posten

Pufferspeicher, Hydraulik, Inbetriebnahme

restliche Positionen

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Die genaue Höhe hängt von Bohrtiefe, Bodenbeschaffenheit, Anzahl der Bohrungen und der gewählten Wärmepumpen-Leistungsklasse ab. Da die Bohrkosten je nach Region und Untergrund stark schwanken, sollte vor der Budgetplanung ein Bodengutachten eingeholt werden, das die tatsächliche Entzugsleistung am Standort bestimmt und eine realistische Kostenschätzung ermöglicht.

Welche Förderung gibt es ab 21.07.2026 für eine Erdwärme-Wärmepumpe?

Ab dem 21.07.2026 gilt für die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) eine überarbeitete Förderstruktur mit unveränderter Grundförderung, aber neu gestaffeltem Einkommensbonus und reduziertem Klimageschwindigkeitsbonus. Die Grundförderung bleibt bei 30 % der förderfähigen Kosten. Der bisherige Effizienzbonus von 5 % entfällt zum 21.07.2026 vollständig. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt von 20 % auf 16 %. Der Einkommensbonus wird neu gestaffelt: 40 % bei einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000 Euro, 30 % bei 30.000 bis 40.000 Euro und 10 % bei 40.000 bis 50.000 Euro. Die Förderobergrenze liegt bei maximal 70 % der förderfähigen Gesamtkosten, für selbstnutzende Eigentümer mit Haushaltsjahreseinkommen bis 40.000 Euro bei bis zu 80 %.
Förderrechner-Beispiel für ein 10-kW-Erdwärme-System (Erstwohneinheit):
Bis 20.07.2026 galt noch: förderfähige Kosten bis 30.000 Euro, darauf 30 % Grundförderung + 5 % Effizienzbonus + 20 % Klimageschwindigkeitsbonus = 55 % Förderung → 16.500 Euro Zuschuss, Eigenanteil rund 13.500 Euro.
Ab 21.07.2026 gilt: förderfähige Kosten bis 28.000 Euro, darauf 30 % Grundförderung + 16 % Klimageschwindigkeitsbonus (kein Effizienzbonus mehr) = 46 % Förderung → 12.880 Euro Zuschuss, Eigenanteil rund 15.120 Euro. Bei zusätzlichem Einkommensbonus von 40 % (Haushaltseinkommen bis 30.000 €) steigt die Förderquote auf 70 % bis zur Förderobergrenze, was den Eigenanteil deutlich weiter senkt. Diese Berechnung basiert direkt auf den von der KfW veröffentlichten Prozentsätzen zum 21.07.2026.
Vertiefende Informationen zur Antragstellung liefert der Überblick zur KfW-Förderung für Wärmepumpen sowie die Zusammenfassung der KfW-Änderungen ab 21.07.2026.

Welche Genehmigung ist für eine Erdwärmebohrung nötig?

Eine Erdwärme-Tiefenbohrung ist in Deutschland grundsätzlich genehmigungspflichtig, wobei die zuständige Behörde von der Bohrtiefe abhängt: Bohrungen bis 100 Meter benötigen eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde, tiefere Bohrungen zusätzlich eine bergrechtliche Genehmigung.

Bohrtiefe

Zuständige Behörde

Rechtsgrundlage

Bis 100 m

Untere Wasserbehörde

Wasserhaushaltsgesetz (WHG)

Über 100 m und/oder über 0,2 MW thermischer Leistung

zusätzlich Landesbergamt/Bergbehörde

Bundesberggesetz

Laut Energie-Atlas Bayern, einem offiziellen Portal des Bayerischen Staatsministeriums, gilt: "Ist die Bohrung tiefer wie 100 m und/oder die thermische Leistung der Anlage größer als 0,2 MW, muss eine Genehmigung bei der zuständigen Bergbehörde beantragt werden." Der Antrag bei der Unteren Wasserbehörde muss unter anderem einen Lageplan, eine technische Beschreibung der Anlage sowie einen Fachkunde-Nachweis des Bohrunternehmens enthalten. Für Einfamilienhäuser empfiehlt es sich, die 100-Meter-Grenze nicht zu überschreiten, um das aufwendigere bergrechtliche Verfahren zu vermeiden.

Welchen Abstand muss eine Erdwärmebohrung zur Grundstücksgrenze einhalten?

Für Erdwärmesonden gelten Mindestabstände zur Grundstücksgrenze, zwischen mehreren Bohrungen und zu Gebäuden, die primär aus der technischen Richtlinie VDI 4640 abgeleitet und von den Bundesländern unterschiedlich in der Genehmigungspraxis angewendet werden.
  • Mindestabstand zwischen benachbarten Erdsonden: 6 Meter (laut Bayerischem Landesamt für Umwelt gemäß VDI-4640-Empfehlung).
  • Abstand zur Grundstücksgrenze: regional unterschiedlich gehandhabt, häufig im Bereich mehrerer Meter.
  • Abstand zu bestehenden Gebäuden: geringer als der Sondenabstand, um Fundamente vor thermischen Einflüssen zu schützen.
  • Abstand zu Versorgungsleitungen: vor Bohrbeginn durch eine Leitungsauskunft zu klären.
Die genauen Abstandswerte zur Grundstücksgrenze sind nicht bundeseinheitlich gesetzlich fixiert, sondern werden von der jeweils zuständigen Unteren Wasserbehörde im Einzelfall geprüft. Vor Planungsbeginn sollte deshalb eine Vorab-Anfrage bei der zuständigen Behörde erfolgen.

Ist eine Tiefenbohrung im Wasserschutzgebiet erlaubt?

Eine Erdwärme-Tiefenbohrung ist in Trinkwasserschutzgebieten je nach Schutzzone stark eingeschränkt oder vollständig ausgeschlossen; die Zulässigkeit hängt von der Zoneneinteilung des jeweiligen Wasserschutzgebiets ab.
  • Zone I (Fassungsbereich): Erdwärmebohrungen sind hier ausgeschlossen.
  • Zone II (engere Schutzzone): Genehmigungen werden hier ganz überwiegend abgelehnt.
  • Zone III (weitere Schutzzone): Bohrungen sind unter behördlichen Auflagen genehmigungsfähig.
Ob ein Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt, lässt sich über die Umweltportale der Bundesländer prüfen, etwa den Bayern Atlas Plus, oder durch eine formlose Anfrage bei der zuständigen Unteren Wasserbehörde vor Beginn der Planung klären. Diese Vorab-Prüfung ist kostenfrei und verhindert, dass Planungsaufwand in ein von vornherein unzulässiges Vorhaben investiert wird.

Wie hoch ist die JAZ einer Erdsonden-Wärmepumpe?

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdwärme-Tiefenbohrung erzielt im Realbetrieb eine vergleichsweise hohe Effizienz, abhängig von Bodenqualität, Vorlauftemperatur des Heizsystems und der Dimensionierung der Bohrung. Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Einheiten Heizenergie aus einer Einheit eingesetzter elektrischer Energie gewonnen werden.

Wärmequelle

Effizienz-Einordnung

Luft-Wasser-Wärmepumpe

niedrigerer Bereich, saisonal schwankend

Erdwärme-Tiefenbohrung

höherer Bereich, ganzjährig stabil

Grundwasserwärmepumpe

tendenziell höchster Bereich

Ein wesentlicher Vorteil der Tiefenbohrung gegenüber luftbasierten Systemen ist die über das Jahr konstante Quellentemperatur, die im Gegensatz zur Außenluft nicht saisonal schwankt und dadurch eine stabilere Effizienz über den gesamten Winter ermöglicht. Wie sich die Jahresarbeitszahl exakt berechnen und verbessern lässt, zeigt die vertiefende Anleitung zur Jahresarbeitszahl.

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Wie lange dauert eine Erdwärmebohrung inklusive Genehmigung?

Der gesamte Prozess von der Planung bis zur betriebsbereiten Anlage dauert bei einer Erdwärme-Tiefenbohrung unter 100 Metern in der Regel mehrere Wochen bis wenige Monate, wesentlich bestimmt durch die behördliche Bearbeitungszeit.
  • Planung und Genehmigung: Bedarfsermittlung, Bodengutachten und Antrag bei der Unteren Wasserbehörde; die behördliche Bearbeitung dauert bei Bohrungen unter 100 Metern typischerweise mehrere Wochen.
  • Baustellenvorbereitung: Vermessung der Bohrpunkte und Klärung der Leitungslage.
  • Bohrung: Durchführung je Bohrloch über mehrere Tage, abhängig von Bodenhärte.
  • Einbau der Erdsonde: Einführen der vorgefertigten Sonde in das offene Bohrloch.
  • Druckprüfung: Dichtheitsprüfung der Sonde mit Protokollierung als Voraussetzung für Gewährleistung und Förderung.
  • Verpressung: Verfüllen des Ringraums mit Bentonit-Zement-Suspension und anschließende Aushärtung.
  • Anschluss und Inbetriebnahme: Verlegen der Anschlussleitungen, Befüllen mit Sole, Entlüftung, hydraulischer Abgleich und finale Abnahme.
In Wasserschutzgebieten verlängert sich die Bearbeitungszeit der wasserrechtlichen Erlaubnis durch zusätzliche hydrogeologische Prüfungen erheblich gegenüber Standorten außerhalb solcher Gebiete.

Welche Risiken hat eine Erdwärme-Tiefenbohrung?

Eine Erdwärme-Tiefenbohrung birgt mehrere technische und geologische Risiken, die die Effizienz oder den Betrieb der Anlage beeinträchtigen können, auch wenn sie bei fachgerechter Ausführung selten auftreten.
  • Bohrungsabweichung: Harte Gesteinsschichten können den Bohrer von der geplanten vertikalen Linie ablenken und die Entzugsleistung mindern.
  • Artesisches Grundwasser: Während der Bohrung kann eine unter Druck stehende Grundwasserschicht angetroffen werden, die unkontrolliert aufsteigt.
  • Sole-Leckage: Eine undichte Stelle in der Erdsonde führt zu schleichendem Druckverlust und sinkender Leistung.
  • Erdreich-Verdichtung: Bohr-Vibrationen können die Wärmeleitfähigkeit des umgebenden Erdreichs dauerhaft verringern.
  • Beeinflussung von Nachbargrundstücken: Die thermische Veränderung des Grundwassers kann benachbarte Brunnen oder Erdsonden beeinträchtigen.
Eine sorgfältige Auswahl eines zertifizierten Fachbetriebs mit DVGW-W120-Qualifikation, ein vorgeschaltetes Bodengutachten und eine verpflichtende Druckprüfung nach der Installation senken diese Risiken deutlich.

Tiefenbohrung oder Flächenkollektor: Was ist besser?

Zwischen Tiefenbohrung und Flächenkollektor entscheidet primär die Grundstücksgröße: Die Tiefenbohrung benötigt wenig Platz an der Oberfläche, der Flächenkollektor dagegen ein Vielfaches der beheizten Wohnfläche.

Kriterium

Erdwärme-Tiefenbohrung

Flächenkollektor

Platzbedarf

gering, für kleine Grundstücke geeignet

groß, deutlich mehr Fläche als die beheizte Wohnfläche nötig

Verlegetiefe

50–100 m

unterhalb der örtlichen Frostgrenze

Genehmigungsaufwand

wasserrechtliche Erlaubnis zwingend

in vielen Bundesländern nur Anzeige

Temperaturstabilität

ganzjährig konstant

saisonal schwankend

Effizienz

tendenziell höher

tendenziell etwas niedriger, saisonal schwankend

DIY-Eigenleistung

praktisch nicht möglich

Erdarbeiten teilweise in Eigenleistung möglich

Für Grundstücke mit begrenzter Fläche ist die Tiefenbohrung häufig die einzige praktikable Erdwärme-Option. Auf großen, ländlichen Grundstücken ist der Flächenkollektor meist die kostengünstigere und genehmigungstechnisch einfachere Alternative.

Tiefenbohrung oder Grundwasserwärmepumpe: Was ist effizienter?

Eine Grundwasserwärmepumpe erreicht tendenziell eine höhere Jahresarbeitszahl als eine Erdwärme-Tiefenbohrung, ist aber nur unter deutlich strengeren geologischen Voraussetzungen realisierbar.

Kriterium

Erdwärme-Tiefenbohrung

Grundwasserwärmepumpe

Voraussetzungen

Platz für Bohrung, Genehmigung

Grundwasserspiegel, ausreichender Durchfluss, geeignete Wasserqualität

Realisierbarkeit auf Grundstücken

auf der Mehrheit der Grundstücke möglich

nur bei erfüllten hydrogeologischen Bedingungen

Effizienz

hoch, ganzjährig stabil

tendenziell höher als Tiefenbohrung

Langzeitrisiko

Erdsonde praktisch verschleißfrei

Brunnen können durch Eisen-/Mangan-Ablagerungen versanden

Die Grundwasserwärmepumpe ist damit für die Bauherren, die die hydrogeologischen Voraussetzungen erfüllen, oft die effizienteste Wahl. Für die Mehrheit der Grundstücke, auf denen diese Voraussetzungen nicht vorliegen, bleibt die Erdwärme-Tiefenbohrung die verlässlichere Alternative ohne geologische Sonderrisiken.

Wann lohnt sich eine Erdwärme-Tiefenbohrung?

Eine Erdwärme-Tiefenbohrung lohnt sich vor allem bei kleinen Grundstücken, verfügbarem Budget und einer langfristigen Nutzungsperspektive, während sie bei großen Grundstücken oder engem Budget gegenüber Alternativen zurückfällt.
  • Empfehlenswert: kleines bis mittleres Grundstück mit wenig verfügbarer Freifläche, ausreichendes Budget für die höhere Investition, langfristige Nutzung über viele Jahre, kein Wasserschutzgebiet der Zonen I oder II, verfügbarer zertifizierter Bohrbetrieb in der Region.
  • Nicht empfehlenswert: großes, ländliches Grundstück mit reichlich Freifläche (Flächenkollektor meist günstiger), stark limitiertes Budget, Lage in Wasserschutzgebiet Zone I oder II, sehr harter Fels-Untergrund mit steigenden Bohrkosten, geplante kurzfristige Nutzung unter zehn Jahren.
Die Jahresarbeitszahl und die Vorlauftemperatur des Heizsystems sollten in die Entscheidung einbezogen werden, da eine niedrige Vorlauftemperatur die Effizienz der Tiefenbohrung zusätzlich verbessert. Wer die Systeme im Detail vergleichen möchte, findet ergänzende Einordnung zur Erdsonde als Wärmequelle und zur Erdwärmepumpe im Systemvergleich.

FAQ

Häufige Fragen

Was kostet eine Erdwärme-Tiefenbohrung pro Meter?

Die Bohrkosten hängen stark von der regionalen Bodenbeschaffenheit ab: In Lockergestein liegen sie im unteren, in hartem Fels im oberen Preissegment. Ein konkretes Angebot vor Ort liefert die verlässlichste Grundlage, da Marktpreise regional stark schwanken.

Ab welcher Tiefe ist eine Bergamt-Genehmigung erforderlich?

Ab einer Bohrtiefe von **über 100 Metern** oder einer thermischen Leistung der Anlage von über 0,2 Megawatt ist zusätzlich zur wasserrechtlichen Erlaubnis eine Genehmigung der zuständigen Bergbehörde erforderlich.

Wie viele Bohrungen braucht ein Einfamilienhaus?

In der Regel sind **ein bis drei Bohrungen** notwendig, abhängig von der Heizlast des Gebäudes und der Entzugsleistung des Bodens am Standort. Zwei Bohrungen sind der häufigste Fall.

Ist eine Tiefenbohrung im Wasserschutzgebiet erlaubt?

In **Zone I** ist sie ausgeschlossen, in **Zone II** wird eine Genehmigung ganz überwiegend abgelehnt. In **Zone III** ist eine Bohrung unter behördlichen Auflagen genehmigungsfähig.

Wie hoch ist die JAZ einer Erdsonden-Wärmepumpe?

Eine Erdsonden-Wärmepumpe erreicht im Realbetrieb eine vergleichsweise hohe Jahresarbeitszahl — deutlich stabiler über das Jahr als bei luftbasierten Systemen, da die Quellentemperatur ganzjährig konstant bleibt.

Quellen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) — Merkblatt Nr. 3.7/2, Planung und Erstellung von Erdwärmesonden
  2. Energie-Atlas Bayern — Oberflächennahe Geothermie: Planung und Genehmigung
  3. Umweltbundesamt — Umgebungswärme und Wärmepumpen
  4. Umweltbundesamt — Geothermie
  5. KfW — Anpassungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude 2026

Redaktion

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