Stand: 15.07.2026
Der Heizstab ist die elektrische Zusatz- und Notheizung einer Wärmepumpe und wandelt Strom als ohmsche Widerstandsheizung nahezu verlustfrei in Wärme um. Er unterstützt den Verdichter an besonders kalten Tagen und übernimmt zusätzlich Aufgaben wie Frostschutz und Legionellenschutz. Nach demselben physikalischen Prinzip wie ein Tauchsieder erwärmt ein stromdurchflossener Leiter das Heizungs- oder Trinkwasser direkt.
Der entscheidende Unterschied zum Verdichter liegt im COP (Coefficient of Performance): Der Heizstab erreicht einen COP von 1,0, während die Wärmepumpe selbst je nach Betriebsbedingungen einen COP von 3 bis 5 erzielt. Eine Kilowattstunde Strom liefert beim Heizstab genau eine Kilowattstunde Wärme. Beim Verdichter liefert dieselbe Kilowattstunde Strom dagegen drei bis fünf Kilowattstunden Wärme, weil er zusätzlich kostenlose Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser nutzt.
Heizleistung = Stromstärke² × elektrischer Widerstand
Im Reglerdisplay vieler Wärmepumpen erscheint ein Heizstab- oder Zusatzheizer-Symbol, sobald das Bauteil aktiv ist. Gelegentliches Aufleuchten an sehr kalten Tagen oder im Warmwasser-Schnellmodus ist normal. Dauerhaftes Leuchten im regulären Heizbetrieb deutet dagegen auf Optimierungsbedarf hin. Die Begriffe E-Heizstab, Heizpatrone, Einschraubheizkörper und elektrische Zusatzheizung bezeichnen alle dasselbe Bauteil. Eine Anlage mit zuschaltbarem Heizstab wird als monoenergetisch bezeichnet, weil beide Wärmeerzeuger ausschließlich Strom als Energiequelle nutzen.
Der Heizstab existiert als integriertes Bauteil im Innengerät der Wärmepumpe oder als externer Einschraub- beziehungsweise Flanschheizkörper im Speicher. Die Leistung reicht von wenigen Kilowatt bis in den zweistelligen Bereich, gestaffelt in festen Stufen. Ab einer bestimmten Leistung ist statt des einfachen 230-V-Anschlusses ein 400-V-Drehstromanschluss erforderlich.
Der integrierte Heizstab sitzt werkseitig im Hydraulik- oder Innenmodul und ist meist in mehreren festen Leistungsstufen schaltbar. Der externe Einschraubheizstab wird über ein Gewinde in den Puffer- oder Warmwasserspeicher geschraubt. Der Flanschheizstab eignet sich durch seine stufenlose Ansteuerung besonders für die Kombination mit Photovoltaik-Überschuss.
Bauart | Einbauort | Leistungsstufung | Anschluss |
Integrierter Heizstab | Innen-/Hydraulikmodul | mehrstufig, je nach Modell | 230 V / 400 V |
Einschraubheizstab | Puffer-/Warmwasserspeicher | mehrstufig, je nach Modell | 230 V bei kleiner Leistung, sonst 400 V |
Flanschheizstab | Speicher (rund) | stufenlos ansteuerbar möglich | 400 V |
Die Dimensionierung richtet sich nach der Heizlast des Gebäudes: Ein zu großer Heizstab erhöht unnötig die Anschlusskosten. Ein zu kleiner Heizstab deckt die Spitzenlast an den kältesten Tagen nicht ab. Übersteigt der Heizstabanteil am Jahreswärmebedarf spürbar den von Fraunhofer ISE gemessenen Referenzwert, ist meist die Wärmepumpe selbst zu klein ausgelegt.
Der Heizstab schaltet ein, sobald die Außentemperatur den Bivalenzpunkt unterschreitet – die individuell eingestellte Schwelle, unterhalb derer die Wärmepumpe die Heizlast allein nicht mehr deckt. Zusätzlich aktiviert die Regelung ihn im Notbetrieb, während des Abtauvorgangs und bei der thermischen Desinfektion des Warmwassers.
Der Bivalenzpunkt bezeichnet die Außentemperatur, unterhalb derer die Wärmepumpe die Heizlast des Gebäudes nicht mehr allein deckt. Er hängt stark vom Gebäudestandard ab: Ein gut gedämmter Neubau erreicht diesen Punkt erst bei sehr tiefen Temperaturen. Ein unsanierter Altbau erreicht ihn bereits nahe dem Gefrierpunkt. Die konkrete Einstellung wird vom Fachbetrieb auf das jeweilige Gebäude abgestimmt.
Gebäudetyp | Typischer Bivalenzpunkt |
Neubau (hoher Dämmstandard) | −7 bis −10 °C |
Sanierter Altbau | −3 bis −5 °C |
Unsanierter Altbau | um 0 °C bis +3 °C |
Neben der reinen Spitzenlastabdeckung übernimmt der Heizstab drei weitere Funktionen. Im
Notbetrieb heizt er bei einem Verdichter- oder Kältekreisdefekt das gesamte Gebäude allein. Beim
Abtaubetrieb unterstützt er kurzzeitig, wenn der Rücklauf zu stark abkühlt. Beim
Legionellenschutz hebt er die Warmwassertemperatur regelmäßig auf ein hygienisch sicheres Niveau an, das die Wärmepumpe im Normalbetrieb allein nicht erreicht.
Ein korrekt eingestellter Heizstab verbraucht laut Fraunhofer-ISE-Feldstudien nur einen kleinen Anteil der jährlichen Stromarbeit einer Wärmepumpe und verursacht dadurch überschaubare Zusatzkosten. Erst bei Fehlkonfiguration oder Defekt steigen Verbrauch und Kosten deutlich an.
Wärmegestehungskosten = Strompreis (€/kWh) ÷ Arbeitszahl des Erzeugers
Beispiel: Ein Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent pro Kilowattstunde ist laut BDEW-Strompreisanalyse für 2026 der aktuelle Durchschnittswert für deutsche Haushalte. Bei diesem Preis kostet eine Kilowattstunde Wärme aus dem Heizstab (COP 1,0) rund 37 Cent. Aus dem Verdichter einer Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 kostet dieselbe Kilowattstunde Wärme dagegen nur rund 11 Cent. Heizstabwärme ist damit gut dreimal so teuer wie Wärme aus dem Verdichter.
Der Haushaltsstrompreis ist gegenüber dem Vorjahr laut BDEW leicht gesunken. Ein spezieller Wärmepumpen-Stromtarif nach § 14a EnWG senkt den Arbeitspreis zusätzlich. Der Heizstab profitiert davon mit, weil er am selben Stromkreis wie der Verdichter hängt.
Laut Fraunhofer ISE belegt der Feldtest an Bestandswärmepumpen, dass Elektroheizstäbe im Mittel nur einen geringen Anteil der elektrischen Arbeit ausmachen. Bei den 2020 untersuchten 29 Wärmepumpen lag der Heizstabanteil an der Jahresheizarbeit bei den 24 damit ausgestatteten Außenluft-Wärmepumpen bei 1,9 Prozent; relevanter Heizstabeinsatz wurde laut Fraunhofer ISE dabei nur infolge falscher Parametrierung, bei Defekten oder zur Legionellenvermeidung gemessen.
Der Heizstab wird über die Wärmepumpenregelung unter Begriffen wie „Zusatzheizung", „Zuheizer" oder „elektrische Nachheizung" konfiguriert – entweder durch Anpassen des Bivalenzpunkts oder durch vollständiges Sperren. Die Einstellung erfolgt meist über die Fachhandwerkerebene des Reglers.
So gehen Sie bei der Einstellung vor:
- Freigabetemperatur prüfen: Öffnen Sie im Regler das Menü „Zusatzheizung" oder „Bivalenzpunkt" und kontrollieren Sie die aktuell eingestellte Schwelle.
- Bivalenzpunkt anpassen: Senken Sie die Freigabetemperatur ab, damit der Heizstab erst an wirklich kalten Tagen einspringt, statt bei jeder kurzen Kälteperiode.
- Legionellenprogramm getrennt betrachten: Lassen Sie die thermische Desinfektion des Warmwassers aktiv, auch wenn Sie den Heizbetrieb des Heizstabs einschränken.
- Frostschutz nicht deaktivieren: Sperren Sie niemals die komplette Zusatzheizung ohne separate Frostschutzfunktion, da sonst bei Extremkälte Frostschäden drohen.
- Einstellung dokumentieren und prüfen lassen: Lassen Sie größere Änderungen an Bivalenzpunkt oder Freigabelogik durch den Fachbetrieb kontrollieren, da sie die Heizungsauslegung insgesamt betreffen.
Eine zu aggressive Absenkung des Bivalenzpunkts kann in sehr kalten Regionen dazu führen, dass die Wärmepumpe an Extremtagen die Solltemperatur nicht mehr erreicht. Ein moderates Absenken in kleinen Schritten mit anschließender Beobachtung über mehrere Wochen ist der sicherere Weg.
Ein vollständiges Abschalten des Heizstabs ist technisch möglich, aber riskant, weil dadurch sowohl der Frostschutz als auch der Legionellenschutz wegfallen können. Sinnvoller ist es in der Regel, nur den Bivalenzpunkt abzusenken, statt die Zusatzheizung komplett zu sperren.
Ohne Heizstab kann die Wärmepumpe bei extremer Kälte die notwendige Vorlauftemperatur nicht mehr erreichen, wodurch Rohre und Komponenten der Anlage einfrieren können. Ebenso erreicht das Warmwasser ohne Heizstab häufig nicht die für die thermische Desinfektion nach DVGW-Arbeitsblatt W551 erforderliche hohe Temperatur, wodurch sich Legionellen im Speicher vermehren können. Beide Risiken lassen sich vermeiden, indem der Heizbetrieb des Heizstabs begrenzt, das Frostschutz- und
Legionellenschutz-Programm aber aktiv gelassen werden. Eine solche Anpassung sollte grundsätzlich mit dem Fachbetrieb abgestimmt werden, da die genauen Regler-Menüs je Hersteller unterschiedlich benannt sind.
Die elektrische Absicherung des Heizstabs richtet sich nach seiner Leistung und der Anzahl der Phasen und ist in DIN VDE 0100 geregelt. Ein Drehstrom-Heizstab benötigt einen eigenen Leitungsschutzschalter, dessen Auslösestrom der Elektrofachbetrieb passend zur Anschlussleistung wählt.
Leistung | Anschlussart | Leitungsschutzschalter |
kleinere Leistung | 230 V einphasig | einphasig, auf die Leistung abgestimmt |
mittlere/höhere Leistung | 400 V Drehstrom | dreiphasig, auf die Leistung abgestimmt |
Nach DIN VDE 0100 muss der Stromkreis des Heizstabs zusätzlich mit einem Fehlerstromschutzschalter abgesichert werden, der auch die bei moderner Invertertechnik auftretenden Gleichfehlerströme sicher erkennt. Betriebsmittel oberhalb einer bestimmten Anschlussleistung erfordern grundsätzlich einen separaten, eigens abgesicherten Stromkreis. Die konkrete Dimensionierung von Leitungsquerschnitt und Schutzschalter berechnet immer der Elektrofachbetrieb anhand der tatsächlichen Leitungslänge und Heizstableistung.
Ein deaktivierter Heizstab erhöht bei Extremkälte das Risiko von Frostschäden an der Wärmepumpe und den angeschlossenen Rohrleitungen deutlich. Ohne die elektrische Zusatzheizung kann die Anlage die notwendige Vorlauftemperatur an den kältesten Tagen des Jahres unter Umständen nicht mehr aufrechterhalten.
Die typische Fehlerkette und ihre Vermeidung:
- Ursache: Der Heizstab ist komplett gesperrt, während die Außentemperatur weit unter den Bivalenzpunkt fällt.
- Folge: Die Wärmepumpe kann die Heizlast allein nicht mehr decken, wodurch Vorlauftemperatur und Gebäudetemperatur sinken.
- Zusätzliches Risiko: Bei einem gleichzeitigen Stromausfall kann die Außeneinheit ohne Frostschutzfunktion in kurzer Zeit einfrieren.
- Vermeidung: Statt einer Vollsperre nur den Bivalenzpunkt moderat absenken und die separate Frostschutzfunktion der Regelung aktiv lassen.
Ein Fachbetrieb kann anhand der Gebäudedämmung und der regional zu erwartenden Tiefsttemperaturen einschätzen, wie weit sich der Bivalenzpunkt sicher absenken lässt, ohne den Frostschutz zu gefährden.
Der Heizstab übernimmt beim Legionellenschutz die Aufgabe, das Warmwasser regelmäßig auf eine Temperatur zu erhitzen, die die Vermehrung von Legionellen zuverlässig verhindert. Da Wärmepumpen im Normalbetrieb oft niedrigere Warmwassertemperaturen liefern, schließt der Heizstab diese Lücke.
Maßgeblich ist das DVGW-Arbeitsblatt W551, das die Anforderungen an die thermische Desinfektion von Trinkwasserspeichern in Deutschland definiert. Laut DVGW verhindert eine Trinkwassertemperatur von mindestens 55 °C an jeder Stelle im Zirkulationssystem zuverlässig die Vermehrung von Legionellen. Ein Wärmepumpen-Warmwasserspeicher erreicht diese Temperaturspitze häufig nicht allein aus dem Verdichter, sodass der Heizstab periodisch zuschaltet, um sie zu erreichen. In einem Ein- oder Zweifamilienhaus mit einem vergleichsweise kleinen Speicher gilt die Anlage in der Regel als Kleinanlage mit gelockerten Prüfpflichten, der grundlegende Schutzbedarf bleibt aber unverändert bestehen.
Ein Heizstab, der auch bei milden Außentemperaturen dauerhaft läuft, ist ein deutliches Warnzeichen für eine Fehleinstellung oder einen technischen Defekt und keine normale Betriebssituation. Da der Heizstab mit COP 1,0 statt mit dem deutlich höheren Verdichter-COP heizt, treibt ungewollter Dauerbetrieb die Stromkosten spürbar nach oben.
Die häufigsten Ursachen für ungewollten Dauerbetrieb:
- Falsch eingestellter Bivalenzpunkt: Ist die Freigabetemperatur zu hoch gewählt, fordert die Regelung eine Vorlauftemperatur an, die der Verdichter allein nicht mehr effizient liefern kann, sodass der Heizstab unnötig oft einspringt.
- Fehlender hydraulischer Abgleich: Werden die Heizflächen im Gebäude ungleich versorgt, hebt die Regelung die Vorlauftemperatur an und aktiviert den Heizstab früher als nötig; ein fachgerechter hydraulischer Abgleich kann diesen Effekt deutlich reduzieren.
- Defekter Heizstab oder Temperaturfühler: Verkalkung, eine durchgebrannte Heizpatrone oder ein fehlerhafter Sensor können einen Dauerbetrieb erzwingen, selbst wenn er nicht angefordert wird.
- Falsch dimensionierte Wärmepumpe: Ist die Wärmepumpe für das Gebäude zu klein ausgelegt, muss der Heizstab strukturell zu oft die Lücke schließen, was auf einen Planungsfehler statt auf einen reinen Defekt hindeutet.
Zur Diagnose lassen sich im Wärmepumpenmenü meist die kumulierten Betriebsstunden des Heizstabs abrufen. Hohe Laufzeiten bei milden Außentemperaturen deuten stärker auf eine Fehleinstellung hin als auf einen echten Bauteildefekt und sollten vom Fachbetrieb überprüft werden.
Der Betrieb des Heizstabs mit PV-Überschuss lohnt sich vor allem dann, wenn der Solarstrom sonst nur zu einem niedrigen Satz eingespeist würde. Wirtschaftlich sinnvoller bleibt jedoch grundsätzlich, den Überschuss zuerst über die effizientere Wärmepumpe zu nutzen.
Netto-Vorteil pro kWh = Bezugspreis (€/kWh) − Einspeisevergütung (€/kWh)
Nach der EEG-Degression, die von der Bundesnetzagentur festgelegt wird, ist die Einspeisevergütung für kleinere Photovoltaikanlagen im Jahresverlauf 2026 weiter gesunken. Laut Verbraucherzentrale liegt sie für eine Inbetriebnahme zwischen Februar und Juli 2026 bei rund 7,78 Cent pro Kilowattstunde bei Teileinspeisung. Der Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW im Mittel bei 37,0 Cent pro Kilowattstunde. Deshalb spart jede selbst über den Heizstab genutzte Kilowattstunde deutlich mehr, als sie bei Einspeisung eingebracht hätte.
Die Ansteuerung erfolgt meist über die
SG-Ready-Schnittstelle der Wärmepumpe oder einen separaten Leistungssteller am Heizstab. Ein einfacher Relaisschaltkontakt nutzt nur einen Teil des Überschusses, ein stufenloser Leistungssteller mit Pulsweitenmodulation kann den Überschuss deutlich feiner ausregeln. Laut Verbraucherzentrale kann es "technisch sinnvoll und wirtschaftlich attraktiv" sein, bei zentraler Warmwasserbereitung mit fossilen Energieträgern einen PV-Heizstab einzusetzen – bei einer Wärmepumpe gilt diese Empfehlung nur, solange deren eigene Kapazität bereits ausgeschöpft ist. Wichtig bleibt die Priorität: Solange die
Wärmepumpe selbst mit PV-Überschuss betrieben werden kann, ist sie dem Heizstab wegen des deutlich höheren COP vorzuziehen.
Vaillant, Viessmann und Stiebel Eltron integrieren den Heizstab jeweils als elektrische Zusatzheizung mit mehreren Kilowatt Leistung und steuern ihn über ihre jeweils eigene Reglerlogik. Bezeichnung, Leistungsstufung und Einstellpfad unterscheiden sich je Hersteller deutlich.
Hersteller | Bezeichnung | Typische Leistung | Einstellung |
Vaillant | Elektro-Zusatzheizung | ein- oder mehrstufig, mehrere kW | über Fachhandwerkerebene des Reglers |
Viessmann | Heizwasser-Durchlauferhitzer | dreistufig (z. B. 3/6/9 kW) | über Codieradressen im Regler |
Stiebel Eltron | Notheizung / Zusatzheizung | mehrstufig, mehrere kW | über den Wärmepumpen-Manager |
Allen drei Herstellern gemeinsam ist die klare Trennung von Heizbetrieb und Notbetrieb: Im Notbetrieb übernimmt die Zusatzheizung unabhängig vom Bivalenzpunkt die komplette Beheizung des Gebäudes, etwa bei einem Verdichterausfall. Im Normalbetrieb schaltet sie dagegen ausschließlich unterhalb der eingestellten Bivalenztemperatur zu. Die genauen Menübezeichnungen und Parameter sollten im Zweifel anhand der aktuellen Herstellerdokumentation des jeweiligen Modells überprüft werden, da sich Regler-Softwarestände ändern können.
Häufiger Heizstabeinsatz senkt die berechnete
Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe, weil er mit COP 1,0 statt mit dem deutlich höheren Verdichter-COP arbeitet. Bei korrekt ausgelegten Anlagen bleibt dieser Effekt laut Fraunhofer ISE jedoch gering und gefährdet die Förderfähigkeit in der Regel nicht.
Für die Förderung der Wärmepumpe über die
KfW-458-Heizungsförderung gilt seit dem 21.07.2026 eine Grundförderung von
30 % der förderfähigen Kosten, ergänzt um mögliche Bonuszahlungen für Einkommen oder Austauschtempo, wie die KfW in ihrer Übersicht zu den
Anpassungen 2026 darstellt. Voraussetzung für die Förderfähigkeit ist eine Mindest-Jahresarbeitszahl, die die Anlage im Betrieb tatsächlich erreichen muss. Ein Heizstab, der nur an wenigen kalten Tagen und für Frost- oder Legionellenschutz einspringt, verändert die JAZ kaum spürbar. Ein dauerhaft fehlkonfigurierter Heizstab kann die JAZ dagegen so weit drücken, dass die Mindestanforderung verfehlt wird. Der Heizstab selbst gilt dabei als reine Stromdirektheizung und ist nicht eigenständig förderfähig – gefördert wird ausschließlich die Wärmepumpe.
Unabhängige Feldstudien des Fraunhofer ISE zeigen, dass der Heizstab bei korrekt ausgelegten Anlagen nur einen sehr kleinen Anteil der eingesetzten Energie liefert. Diese Erkenntnis stammt aus einer der umfangreichsten Felduntersuchungen zu Wärmepumpen im deutschen Gebäudebestand.
Zentrale Ergebnisse der Fraunhofer-Feldstudien:
- Aktuelle Feldstudie: Der Heizstab deckt laut Fraunhofer ISE bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel rund 1,3 % der elektrischen Arbeit.
- Sole-Wasser-Wärmepumpen: Bei erdgekoppelten Anlagen liegt der Heizstabanteil laut Fraunhofer ISE nahe 0 %, weil die Erdwärmequelle deutlich konstantere Temperaturen liefert als die Außenluft.
- Frühere Feldmessung (2020): Eine ältere Untersuchung an 29 Wärmepumpen ermittelte für die 24 damit ausgestatteten Außenluft-Wärmepumpen einen Heizstabanteil von 1,9 % an der Jahresheizarbeit.
- Ursache von Ausreißern: Das Fraunhofer ISE führt relevanten Heizstabeinsatz bei diesen Feldmessungen explizit auf falsche Parametrierung, Defekte oder Legionellenvermeidung zurück, nicht auf das Funktionsprinzip des Heizstabs selbst.
Diese Zahlen zeigen deutlich: Der Heizstab ist bei technisch sauberer Auslegung kein relevanter Kostenfaktor im Jahresbetrieb einer Wärmepumpe.
Für den Legionellenschutz steht 2026 eine relevante Regelanpassung an: Der DVGW hat im Mai 2026 einen zweiten Entwurf des überarbeiteten Arbeitsblatts W551 veröffentlicht, dessen Konsultationsphase am 31. Juli 2026 endet. Der Entwurf sieht unter bestimmten Bedingungen eine Option vor, das Zirkulationssystem speziell zur Optimierung von Wärmepumpen bei etwas abgesenkten Temperaturen zu betreiben.
Bislang gilt als sichere Schwelle gegen Legionellenwachstum eine Trinkwassertemperatur von mindestens 55 °C an jeder Stelle im Zirkulationssystem, wie der DVGW festhält. Die im Entwurf diskutierte Anpassung würde es unter bestimmten technischen Voraussetzungen erlauben, die Zirkulation gezielt näher an diese wärmepumpenfreundlichere Temperaturschwelle heranzuführen, ohne den Legionellenschutz aufzugeben. Da es sich noch um einen Entwurf im Konsultationsverfahren handelt, sollte bis zur endgültigen Verabschiedung weiterhin nach den bislang geltenden DVGW-W551-Vorgaben verfahren werden; Hausbesitzer sollten sich bei ihrem Installationsbetrieb über den aktuellen Stand informieren, bevor sie Speichertemperaturen anpassen.
Ein Heizstab lohnt sich für die meisten Hausbesitzer mit monoenergetischer Auslegung, weil er ein vergleichsweise günstiges Backup für wenige kalte Tage, den Notbetrieb und den Legionellenschutz liefert. Bei korrekter Einstellung bleiben die laufenden Kosten überschaubar; nur bei Fehlbetrieb wird er teuer.
Haushaltstyp | Typischer Bivalenzpunkt | Empfehlung zum Heizstab |
Neubau mit hohem Dämmstandard | −7 bis −10 °C | Heizstab behalten, Bivalenzpunkt tief einstellen, kleinere Wärmepumpe möglich |
Sanierter Altbau | −3 bis −5 °C | Monoenergetische Auslegung sinnvoll, hydraulischer Abgleich gegen Dauerbetrieb prüfen |
Unsanierter Altbau | um 0 °C bis +3 °C | Heizflächen und Dämmung vorrangig verbessern, sonst läuft der Heizstab zu oft |
Haushalt mit Photovoltaik | je nach Gebäude | Heizstab mit stufenloser PV-Steuerung als Eigenverbrauchspuffer, Wärmepumpe aber vorrangig ansteuern |
Für
Erdwärmepumpen spielt der Heizstab laut Fraunhofer ISE praktisch keine Rolle, weil die konstantere Erdreich- oder Grundwassertemperatur den Bivalenzpunkt kaum erreicht. Bei einer
Sole-Wasser-Wärmepumpe bleibt der Heizstab daher meist nur als reine Sicherheitsreserve relevant.